Europas Lehre

Europa, 29.05.2016/07.05.2017. Gern zeigen wir auf dieser Internetseite schöne Fotos von unserer Sonneninsel, farbig und meist von eindrucksvollen Stellen. Hier kommen zwei Bilder in schwarz-weiß hinzu. Beide haben nichts mit Rügen, aber mit unserem Land und unserem Nachbar Frankreich zu tun, auch mit der Schlacht um Verdun, die vor 100 Jahren tobte. 300.000 französische und deutsche Soldaten haben zwischen Februar und Dezember 1916 hier ihr Leben verloren. Mein Vater hätte einer von ihnen sein können, mit 19 Jahren kam er knapp davon. Die Bilder vom grauenvollen Gemetzel und seine Giftgasverletzung aus der „Hölle von Verdun” ließen ihn im restlichen Leben nicht wieder los. „Nie wieder Verdun”, war damals sein Schwur, nie wieder Krieg. Und was passierte 1940? Mit dem sogenannten Blitzkrieg hatte die deutsche Wehrmacht Frankreich in die Knie gezwungen – wiederum mit Hunderttausenden  Toten und Verwundeten. Wie können Menschen so versessen und so geschichtsvergessen sein?

Franz Levermann (* 1895, † 1971), Soldat in zwei Weltkriegen, danach überzeugter Pazifist (Foto von 1951).

Franz Levermann
(* 1895, † 1971), Soldat in zwei Weltkriegen, danach überzeugter Pazifist (Foto von 1951).

Heute Abend (Ende Mai 2016) werden uns in der Tagesschau zwei bekannte Gesichter begegnen, in traurigem Gedenken – Angela Merkel und François Hollande, unsere Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident. Sie wiederholen ein Ritual, das wir bereits im September 2009 erleben konnten, als Kohl und Mitterrand händehaltend in Verdun Frieden und Freundschaft zwischen den beiden sogenannten Erbfeinden bekräftigten.

„Europas Lehre aus zwei Weltkriegen war”, so ein  Essay gestern (Ende Mai 2016) in der Süddeutschen Zeitung, „ohne die Überwindung von Nationalismus und Völkerhass … lässt sich kein dauerhafter Frieden in Europa schaffen … Wenn Nationalismus einst Triebmittel für Europas Kriege war – kann dann Europa zum Nationalismus zurückkehren, ohne dass auch der Krieg wiederkehrt?”

Mein Sohn Jörg hat sich mit 19 auf den Weg nach Frankreich gemacht und auch das ehemalige Schlachtfeld von Verdun besucht. Sein Bild bedarf keiner weiteren Erläuterung. Foto: Jörg Levermann

Mein Sohn Jörg hat sich mit 19 Jahren auf den Weg nach Frankreich gemacht und auch das ehemalige Schlachtfeld von Verdun besucht. Sein Bild bedarf keiner weiteren Erläuterung.
Foto: Jörg Levermann

Mit dem Vormarsch von Rechtspopulisten und Nationalisten, wie wir sie in etlichen Ländern Europas beobachten, und nun auch in Deutschland, wird der nun 70 Jahre währende Frieden keinesfalls selbstverständlich. Das „weiß man, seit Russland sein nationales Erwachen mit militärischen Mitteln betreibt … Es ist kaum vorstellbar, dass Bürger Europas je wieder übereinander herfallen. Aber ist es deswegen unmöglich? Was passiert, wenn Menschen in Europa nicht mehr Europäer sind, sondern wieder nur Angehörige dieses oder jenes Volkes?” (SZ). Wir sollten hellwach die Vorgänge in Europa im Auge behalten und bei Wahlen nicht geschichtsvergessen sein.

Heute, nach der Wahl am 7. Mai 2017, hat Frankreich dem Nationalismus den Rücken gekehrt.. Merci. Vive la France.

Dieser Beitrag wurde unter dit un dat veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu Europas Lehre

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.